IM INTERVIEW MIT VANESSA TAMKAN

Was hat dich dazu inspiriert, dich für den Tierschutz und insbesondere den HGS in Griechenland zu engagieren?
Ich bin mit dem Thema Hunde-Tierschutz wortwörtlich „groß geworden“. Seit ich ein Kleinkind war, wurde ich von meiner Familie in diese Thematik eingeführt und habe bereits als Kind mehrere Hunde aus dem In- und Ausland gerettet. Ich bin vorher nie mit einem Verein richtig in Berührung gekommen und habe die Befreiungen auf eigene Faust durchgeführt. Ich selbst habe eine Hündin aus Nord-Griechenland (Aika, 10 Jahre alt) seit 9 Jahren bei mir. Vor ca. 4,5 Jahren hat sich der Hundegarten Serres via Instagram-DM bei mir gemeldet und gefragt, ob ich bereit wäre einen Spenden Link zu teilen. Irgendwie hat mich die Geschichte des Vereins besonders berührt und da Aika auch aus Griechenland und speziell aus dieser Gegend kommt, habe ich mich direkt verbunden gefühlt. Kurz nach dem ersten Kennenlernen war ich auch schon das erste Mal vor Ort in Serres.

Was und wie war deine erste Berührung mit dem Tierheim vor Ort und wie war dein erster Eindruck?

Ich erinnere mich als wäre es erst vor kurzem passiert, weil es Tatsache eines der schlimmsten Dinge war, die ich je gesehen habe. Ich kam beim städtischen Tierheim an und alle Hunde haben unfassbar gefroren. Es war Winter. Direkt am Eingang lag ein toter Hund. Tot gebissen von einem anderen Hund. Es war furchtbar und mir sind sofort die Tränen in die Augen geschossen. Das war der Moment an dem ich wusste - hier werde ich nie wieder gehen.

Welche Herausforderungen begegnen dir in der Arbeit mit dem Hundeheim und wie überwindest du diese?

Es wimmelt nur so vor Herausforderungen, aber ich glaube die größte Herausforderung für mich persönlich ist, allem gerecht werden zu wollen. Es fallen jeden Tag so unendlich viele Aufgaben vor Ort an und wir haben so viele Kosten zu decken. Man weiß manchmal gar nicht wo man anfangen soll - Aber wir geben immer alle unser Bestes. Ich glaube das Wichtigste ist, sich parallel um seine eigene mentale Gesundheit zu kümmern um in diesem Chaos an Leid nicht zu versinken.

Wie erlebst du die Zusammenarbeit mit der lokalen Gemeinschaft und Behörden in Griechenland? Gibt es Unterstützung oder Widerstände?

Leider sind die Gemeinden und Behörden vor Ort sehr sehr schwierig. Nicht nur in der Kommunikation, sondern auch in ihrem Gedankengut. Wir sind kulturell eben sehr unterschiedlich was das Thema „Hunde“ angeht und ein Land wie Griechenland hat ganz andere Probleme, als sich darum zu kümmern, ob es den Straßenhunden gut geht. Wir haben schon oft mit dem Bürgermeister und anderen Gemeindemitgliedern Diskussionen geführt. Jeder kleine Schritt ist für mich persönlich wichtig, egal wie viel am Ende dabei rumkommt. Früher oder später muss eine Veränderung her und dafür kämpfen wir.

Welche Erfolge konntest du aus der Arbeit, die du bis jetzt vor Ort umgesetzt hast erzielen ?

Wir haben mit dem Verein „Hundegarten Serres e.V.“ mittlerweile ein sehr gutes öffentliches "Standing" - welches allerdings nicht alleine mir zu verdanken ist, sondern auch den Leuten, die ich in letzten Jahren dafür begeistern konnte, uns auf dem Weg zu begleiten. Vor allem aber hat der Verein es selbst geschafft, eine tolle Social Media Truppe aufzubauen, die sich um alle Accounts kümmert und somit den Hunden vor Ort mehr Sichtbarkeit gibt! In den letzten 4,5 Jahren konnten wir Tausenden Hunden ein neues Zuhause schenken, mehrere Hundertausende Euro an Spenden sammeln und unter anderem sind wir gerade dabei unser neues und ENDLICH ganz eigenes Tierheim vor Ort umzubauen. Das wird der Wahnsinn. Und das Alles ist nur durch eine so krasse Community möglich. ALL FOR THE DOGS!

Welche langfristigen Ziele planst du für das Hundeheim, und wie können Menschen von außerhalb am besten unterstützen?

Langfristig wünsche ich mir, dass wir es, durch möglichst viele Kastrationsaktionen schaffen, die Population der Strassenhunde zu verringern. Vor allem wünsche ich mir jedoch, natürlich neben weiteren Adoptionen, den Hunden ein schönes und friedliches Leben ermöglichen zu können, die es nicht schaffen dort raus zu kommen. Einfach einen schönen Rentnerhof.

Was macht dir an der Arbeit am meisten Spaß und was war dein schönstes Erlebnis ?

An der Arbeit machen mir vor allem das Gefühl der Zusammengehörigkeit und das Erreichen von den kleinen und auch großen Zielen Spaß. Ich liebe es vor Ort zu sein und „anzupacken“. Zu sehen was man am Ende geschafft hat wenn man das Tierheim reinigt oder etwas auf-/umbaut, ist ein tolles Gefühl. Und natürlich liebe ich es ebenfalls sehr, wenn wir bei den Ankünften die Hunde an ihre Adoptanten übergeben können. Das ist immer SEHR emotional! Mein schönstes Erlebnis hier war definitiv die Vermittlung einer Hündin Namens „Daga“. Wir haben sie zwei Jahre später nochmal in ihrem neuen Zuhause besucht und mir liefen die Tränen einfach nur so runter vor Freude. Aus dem traurigsten Hund, den ich je im Tierheim erlebt habe, wurde der Glücklichste...Wahnsinn! Am Ende gab es aber bereits so viele schöne und emotionale Momente, dass ich sie niemals alle benennen könnte.

Inwiefern beeinflussen dich die Erfahrungen aus dem Tierschutz/Tierheim emotional in deinem Alltag und wie schaffst du es, den Schaltern „umzulegen“ wenn du von Tierschützer zu Content Creator um switchst ?

Ich bin der festen Überzeugung (und bin glaube ich auch der beste Beweis), dass „Lifestyle“ und „Hunde-Tierschutz“ sehr wohl einhergehen. Tierschutz muss nicht langweilig und uncool sein. Ich kann absolut ALLES sein was ich möchte und ja ich liebe Fashion & Make-Up aber ich liebe nunmal auch den Hunde-Tierschutz. Ich lege da gar keinen Schalter um. Ich bin einfach beides. Emotional nicht zusammenzubrechen war für mich anfangs auch eine Herausforderung, aber tatsächlich hilft es mir sehr den Verein als eine Art „Unternehmen“ zu sehen. Es ist von der Struktur her ähnlich, wie ein solches und bedarf eben sehr viel Arbeit. Das klingt jetzt sehr trocken, aber nur so kommt man auch durch die emotional anstrengenden Phasen und Ereignisse wie Beispielsweise das Auffinden der toten Hunde. Meine Bezahlung ist die ganze Liebe die ich dafür von den Hunden ernten kann und zu wissen, dass ich mit meinem Engagement etwas Gutes getan habe.